Umzug, Stadtkarte und Weihnachten

Bericht, Information Dezember 29th, 2009

Liebe Leser,

seit meinem letzten Eintrag sind wieder einige Wochen vergangen. Ich hatte einiges zu Unterkuenften in Japan geschrieben. Dies setzt sich nun in gewisser Weise fort: Ich ziehe schon wieder um. Es wird erstmal jedoch mein letzter Umzug sein. Ich bin innerhalb 3 Monaten (plus einigen Tagen) 3 mal umgezogen. Aber da ich ja nicht so viel Zeug bei mir habe ist das auch nicht so ein riesen Problem. Diesmal geht es wieder ein Stueck an die Kindertagesstaette ran. Meine erste Bleibe (Kamata) war so weit entfernt, dass ich mit dem Zug zur Tagesstaette musste. Meine 2. Bleibe (in der ich jetzt noch fuer 3, 4 Tage bin) ist nicht mehr ganz so weit entfernt (Meguro). Zu erst bin ich auch noch mit dem Zug gefahren, aber dann habe ich eine guenstigere Buslinie gefunden, bei der ich nicht einmal umsteigen muss. Letztendlich habe ich ein Fahrrad gestellt bekommen. Zu naechst hatte ich mich ziemlich verfahren, sodass ich ueber 1 Stunde 30 Minuten gebraucht habe. Als ich mich allmaellich zurecht gefunden hatte wurde daraus die Haelfte: 45 Minuten mit dem Rad. Das gin etwa 1 Monat lang so. Dann hat mich der Co-Leiter der Kindertagesstaette auf eine sehr hilfreiche Abkuerzung aufmerksam gemacht: Jetzt sind es nur noch knapp 20 bis 25 Minuten! Ich faehre mitten durch eine verlassene Wohngegend, aber der Weg ist einfach viel kurzer! In Zukunft werde ich jedoch nur noch geschaetzte 10-15 Minuten brauchen muessen!! Meine neue Bleibe ist preislich nicht grossartig anders, aber von innen sehr viel angenehmer und einfach naeher an meiner Arbeitsstelle (Takaban). Leider auch nicht mehr so zentral, aber wenn ich einige Minuten mit dem Rad fahre, dann komme ich auch an eine relativ zentrale Bahn-Station.

Da ein Umzug bevorsteht kann es sein, dass ich in den naechsten Tagen sofort auf E-Mails und Kommentare antworten kann. Ich bitte um Verstaendnis.

Eine “groessere Sache”, die ich in der letzten Zeit in der Kindertagesstaette zu erledigen hatte war das Erstellen einer Stadtkarte mit gewissen Notizen. Wenn die Kindergruppen mit Ihren Betreuern zu einem Spielplatz gehen, die Feuerwehr besuchen, zu einem Park gehen, etc. dann gibt es zahlreiche “Gefahrenpunkte”: Viel Verkehr, kurze Ampelphase, aggressiver Menschenstrom usw. Bisher wurde solche Punkte immer auf einer Stadtkarte per Hand vermerkt. Meine Aufgabe war es nun diese Handnotizen am PC zu digitalisieren. Welches Programm man in einem solchen Fall benutzt? Kein Ahnung. Ich habe mich irgendwie mit Excel herausgeholfen, d.h. der Co-Leiter, der sehr viel mit Excel arbeite hat mir viele nuetzliche Tricks gezeigt. Ich haette nie im Leben gedacht, dass man mit Excel so viele umfangreiche Dinge anstellen kann, zumal ich bisher eher weniger mit dem Programm zu tun hatte. Das Ergebnis war ziemlich zufriedenstellend. Ich habe etwa 2-3 Wochen fast taeglich an diesen Maps fuer 1-2 Stunden gearbeitet. Es gab insgesamt 8 kleine Routen und 2 Grosse zu digitalisieren. Um Ende ein schlichtes Deckblatt und fertig war das Kunstwerk. War schon eine Menge arbeit. Die Exceldatei hatte etwa 20 MB.
Das Erstellen an sich hat etwa 2/3 der Zeit gekostet. Das Uebrige 1/3 Zeit, ging beim Drucken drauf: Die Karten werden auf welchen Grund auch immer nicht so ausgedruckt, wie sie auf dem Bildschirm angezeigt werden. Bspw. fehlen die letzten Buchstaben bei einigen Notizen. Das Problem liess sich nach Stundenlangem vergroessern, herumschieben und ausprobieren halbwegs loesen.

Ach, es war ja schon Weihnachten! Habe ich hierzulande kaum mitbekommen. Natuerlich wurde kraeftig gefeiert und geschmueckt, ohne das einer weiss warum. Japan kennen “Kurisumasu” als Geschenkeverteiltag, nicht als christlichen Feiertag. Kinder sagen: “Weihnachten wird gefeiert, weil man da Geschenke bekommt!”, waehrend junge Erwachsene es als Partyanlass kennen. Meistens kauft der Mann seiner Freundin ein teueres Geschenk, anschliessend macht man sich einen schoenen Abend zusammen. Erinnert mich stark an den Valentinstag, der hier auch so aehnlich ablaeuft, nur nicht ganz so winterlich.
Meine Mutter hatte die grossartige Idee den Kindern im Kindergarten auch die traditionelle Seite des Weihnachtsfest zu zeigen. Sie kaufte eine Playmobil-Krippe und packte die Einzelteile als Adventskalender ein. Anschliessend schickte sie alles zusammen als Paket nach Japan. Am 24.12. war dann die Krippe vollstaendig und ich erzaehlte den Kindern die Weihnachtsgeschichte nach traditioneller Art. Da die Kindertagesstaette keine religioes orientierte ist musste ich etwas vorsichtig sein. Es war auch schwierig zu erklaeren, dass in der Geschichte das Kind Gottes Sohn sei. Um ehrlich zu sein kannte ich die Geschichte selber auch nicht bis ins Detail. Ich bin Atheist und war somit immer im “Werte und Normen-Kurs”.
Die Kinder sahen es auf alle Faelle als interessante Geschichte aus dem fernen Westen. Die Kinder haben alle sehr gespannt zugehoert. Kaum jemand hat dazwischen gerufen. Am Ende haben sich alle Kinder bedankt. Vor der Playmobilkrippe haben alle Kinder so respekt, dass sie sie kaum anfassen. Wenn eine Figur umfaellt dann springt sofort ein Kind auf und stellt sie wieder hin. Ich dachte, dass die Kinder damit spielen und es wie alle anderen Spielzeuge behandeln. Nun steht die Spielzeug-Krippe geordnet auf dem Regal und die Kinder stehen zu Zehnt drumrum und schauen sich die Plastikfiguren in Ruhe an.

Waehrend der Weihnachtstage wird uebrigens ganz gewoehnlich gearbeitet. Sollte einen eigentl. nicht wundern. Kurz, Weihnachten in Japan: Fuer Kinder und Paare ein Fest zum grundlos Spass haben, fuer Wirtschaftshaie ein leckerer Bonus, fuer ruhige japanische Seelen ein Tag wie jeder anderer.

Zum Ende: Ich habe gestern wieder einmal Blumen eingepflanzt. Diese Blumen tragen zufaellig meinen Namen: Die Sorte heisst angeblich “Julian”.

Ich wuensche allen einen guten Rutsch ins neue Jahr!!!

#01 – Unterkunft

Artikel Dezember 13th, 2009

Ich habe mich entschlossen ab und an mal einen laengeren Artikel speziell fuer zukuenftige Freiwillige in Japan zu schreiben um ihnen den Einstieg etwas zu erleichtern.

Ich habe den Artikel bereits auf der o.g. Seite veroeffentlicht, allerdings wird er nur mit einem Fehler angezeigt, sodass er sich kaum lesen laesst. :evil:

Deswegen, poste ich den Inhalt hier in das Forum rein. Wuerde mich freuen, wenn es einigen bei der Suche nach Unterkuenften in Japan (darueber handelt mein erster Artikel) helfen kann. :)

Voila:

Eine der ersten Fragen die sich werdende Freiwillige stellen ist “Wie und wo komme ich ueberhaupt unter?”. Wenn die Einsatzstelle oder evtl. die Traegerorganisation eine Bleibe stellt ist dies natuerlich der Idealfall, d.h. der Freiwillige braucht muss sich kaum um diesen Teil der Organisation kuemmern.

In meinem Fall musste ich meine Unterkunft selbst organisieren: Kontaktieren, Vereinbaren und monatlich bezahlen. 80% dieser Organisation habe ich bereits in Deutschland abgeschlossen. Im Internet gibt es zahlreiche sog. Share-Houses. Diese “Teil-Haeuser” sind ganz einfach groessere Wohnungen in den mehrere Peronen wohnen. Kueche, Bad und Eingangsbereich wird geteilt.

Stichwoerter zum Suchen solcher Wohnungen: share house (シェアハウス), monthly mansion (マンスリーマンション), gaijin house (外人ハウス) (speziell eingerichtete Wohnungen fuer Nicht-Japaner) etc.

Meist besitzt eine Firma mehrere solcher Wohungen, verwaltet diese und richtet sie neue Wohnungen ein. Die wohl bekannteste ist wohl die Sakura-Group. Wenn ich richtig informiert bin fuehrt diese Firma hauptsaechlich gaijin houses. Da die Sakura-Group sehr erfahren ist und professionell arbeitet sind die Wohnungen auch entsprechend teuer. Wenn man bspw. “tokyo apartment monthly” googelt, dann wird die Sakura-Group wohl eine der ersten Google-Eintraege sein.

Am guenstigsten sind die “kleineren Firmen”, die nicht so viele Wohnungen verwalten. Allerdings kommt man mit Nicht-Japanisch nicht sehr weit. Es sind keine gaijin houses, sondern share houses. Im Prinzip das gleiche, nur eben nicht speziell fuer Nicht-Japaner. D.h., Internetseite, Anmeldung und Kommunikation laufen komplett auf Japanisch. Mitbewohner sind ebenfalls alles Japaner. Das heisst natuerlich, dass Nicht-Japaner nicht willkommen sind. Solange das Japanisch sitzt ist alles kein Problem.

Wenn ihr euch angemeldet habt und gesagt wurde, dass ein Platz frei ist, dann bekommt ihr per E-Mail eine Kontaktadresse, meist ist dies eine Handy-Nummer. Wenn ihr dann in Japan seit nehmt ihr direkten Kontakt mit einem Mitarbeiter der Firma auf. Ihr vereinbart Ort und Zeit und trefft euch meist an einer Bahnhofstation in der Naehe der Unterkunft. Ihr nehmt das ganze Gepaeck mit und lest den Vertrag durch: Einen Monat vor dem Ausziehen abmelden, nicht im Zimmer rauchen, alle Regeln befolgen, keine Nicht-Einwohner in die Wohnung lassen etc. Anschliessend zahlt ihr die erste Miete und das wars auch schon. Wenn ihr Fragen habt koennt ihr den Mitarbeiter, von dem ihr zuvor die Kontaktdaten bekommen habt, jederzeit kontaktieren. Ein Umzug, innerhalb der Wohnungen der Firma ist auch kein Problem. Ich war im ersten Monat auch in einer anderen Wohnung untergebracht, bin allerdings umgezogen, da die neue Wohnung ein Stueck naeher an der Kindertagesstaette ist.

Nun schreibe ich einige Zeilen zu den Unterkuenften an sich. Das erste was mir da in den Sinn kommt ist der Platzmangel. In meinem share house wohnen etwas ueber 20 Einwohner, weiblich/maennlich in getrennten Raeumen, jedoch ein gemeinsamer Gemeinschaftsraum, der zugleich Kueche ist. Abends, wenn die meisten nach Hause kommen ist es so eng, dass man 3 Leute fragen muss um bis zum Kuehlschrank zu kommen. Anschliessend wieder 3 Leute fragen ob man mal eben vorbei kann um die Mikrowelle zu bedienen. Es kommt auch oft vor, dass man einige Minuten warten muss, bis die Kochstelle frei wird.

Ich bin ziemlich schlecht im Schaetzen von Dingen, aber ich denke der Gemeinschaftsraum, der Kochstelle, 2 Spuelen, Fernseher, Grill, Mikrowelle, 2 Reiskocher, Waschmaschine, 2 Tische, 3 Regale und 7 Stuehle beinhaltet nicht einmal 15 qm gross ist. Nun sitzen 4 Leute auf den Stuehlen, einer steht im Hintergrund, einer kocht und der andere putzt sich die Zaehne. Da ist klar, dass es sehr schnell voll und unbequem wird. Der Fernseher ist bis auf Mitternacht (ab ca. 3 Uhr) ueberigens so gut wie immer an, d.h. etwa 20 Stunden am Tag. Japaner haben die Angewohnheit den Fernseher morgens einzuschalten, sogar noch bevor sie sich das Gesicht gewaschen haben.

Es ist aber nicht immer so voll. Wenn man Fruehaufsteher ist kann man oft den kompletten Gemeinschaftsraum fuer sich selber benutzen, besonders an Sonntagen. Wie es vormittags bis nachmittags ist weiss ich nicht, da ich zu der Zeit ja nicht im Hause bin.

Am kuerzesten kommt jedoch die Privatsphaere. Der einzige private Bereich ist das eigene Bett. Wenn man Glueck hat, dann hat man von Anfang an einen Sichtschutz haengen (ein mit Reiszwecken befestigter weisser Laken). Gestellt wird 1x Bettwaesche und eine Leselampe. Das Doppelbett ist extrem unbequem, sodass ich mir extra Bettwaesche zum draufliegen besorgt habe. Auf harten Untergrund zu schlafen war ich eigentlich gewohnt, aber da die Balken des Bettes extrem uneben sind tut am naechsten morgen immer der Ruecken weh.

Es gibt solche und solche Einwohner. Einerseits gibt es die freundlichen, offenen und hilfsbereiten Einwohner, mit denen man sich lustig unterhalten kann und evtl. sogar mal etwas zusammen unternehmen kann. Kommt allerdings ziemlich selten vor. Ich habe lediglich 2 mal mit Mitbewohnern zusammen ein Abendessen zubereiten koennen.

Andererseits gibt es die selbstfixierten, nichts-sagenden, die nicht gruessen und die ganze Zeit draussen sind oder in ihrem Bett rumhaengen. Da sie kein Wort mit den Mitbewohnern sprechen kann ich leider nicht viel zu diesen Leuten schreiben.

Ich schlafe in der unteren Haelfte eines Doppelbetts. Der Einwohner ueber mir ist einer dieser nichts-sagenden. Nach der Arbeit macht er sich schnell ein simples Abendessen und legt sich dann in sein Bett um bis 2, 3 Uhr Videospiele (PSP, DS etc.) zu spielen oder Mangas zu lesen.

Nun kommt sicherlich der interessanteste Teil dieses Aufsatzes: Die Mietkosten. Um es kurz und schmerzvoll zu machen, 4/5 meiner kompletten Unterstuetzung geht fuer die Miete drauf. Rechnet mit mindestens 280 Euro im Monat, wenn ihr euch fuer semizentral Tokyo entscheidet.

Ich habe mich auch ueber ganz gewoehnliche Einzelwohnungen informiert, aber habe schnell gemerkt, dass es ein Luxus ist den ich mir im Moment absolut nicht leisten kann. Wenn ihr ein eigenes Apartment mit Kochstelle und Bad in Tokyo mieten wollt, dann rechnet mit 400 Euro bis 500 Euro im Monat. Eng und nicht-zentral wird es trotzdem sein.

Ich hoffe ich habe es nicht allzu kompliziert gemacht. Wenn ihr Fragen habt, dann kontaktiert mich einfach

Routine

Bericht Dezember 1st, 2009

In der letzten Zeit erledige ich bestimmte Dinge regelmaessig.

Eine Putzhilfe ist neuerdings jeden Montag nachmittag nicht im Hause. Somit erledige ich ihre Aufgaben: Waesche waschen, aufhaengen und falten, den Eingang und die Strasse fegen, den Hof saeubern etc.

Jeden Mittwoch ab 3:30 Uhr findet “der Club” statt. Das, was “der Club” genannt wird ist schlichtweg ein Treffen ehemaliger Kinder, die die Kindertagesstaette besuchten, d.h. Grundschulkinder. Das ist ein freiwilliges Angebot der Kindertagesstaette an dem Kinder der 1. bis zur 6. Klasse teilnehmen koennen. Im Moment kommen allerdings nur 1.-3.-Klaessler regelmaessig. Es wird gespielt, gekocht, gebastelt, gebacken etc. Ich helfe inzwischen regelmaessig im Club.

Ich habe in den ganzen 19 Jahren meines Lebens noch nie so einen Winter erlebt: Vor wenigen Tagen war es noch kanpp 20 Grad. Morgen sind es laut Wettervorhersage auch etwa 14 Grad. Trotzdem finden Japaner dies bereits kalt und bleiben im Haus. Ein leichtes Jacket reicht voellig aus. Es soll zu Jahresanfang jedoch “richtig kalt” werden, d.h. also fuer mich angenehm kuehl.

Die Kindertagesstaettengruppe veroeffentlicht jeden Monat ein Gratis-Blatt (zweitig bedruckte Seite) mit verschiedensten Informationen und Artikel. Ich hatte bereits geschrieben (hatte ich doch oder?), dass ich “eine Ecke” dieses Blatts bekommen habe um meinen Senf dazu zugeben. Das erstemal (also die Novemberausgabe) kam meine Ecke ziemlich gut an: Ich habe den Platz fuer die komplette Dezemberausgabe bekommen! Insgesamt habe ich 7 kleine Artikelchen geschrieben. U.a. ueber deutsches Spielzeug, ueber das Lied “Haenschen Klein”, das in der japanischen Version von Schmetterlingen erzaehlt, ueber deutsche Kindertagesstaetten im Allgemeinen und einiges mehr.

Da die Kindertagesstaette keine religioesorientierte ist, wird nicht grossartig fuer Weihnachten vorbereitet oder geschmueckt. Am 24./25./26. ist auch kein Feiertag, allerdings am 23.! Wisst ihr was am 23. Dezember in Japan fuer ein Feiertag ist? Es ist schlicht und einfach der Geburtstag des Tennos!