Rührendes Schauspiel

Bericht Januar 19th, 2010

Mit dem Brand habe ich mich inzwischen abgefunden. Die Ursache scheint immer noch unbekannt zu sein. Aber darüber wollte ich ja diesmal ja gar nicht berichten…

Heute morgen traten alle Kinder (0 bis 5 Jahre alt) der Tagesstätte, jeweils in ihren Gruppen vor versammeltem Publikum auf! Insgesamt lief das ganze Programm etwa eine Stunde.

Die 0 bis 1-Jährigen traten zusammen mit ihren Betreuerinnen auf. Die Kinder waren ziemlich verwirrt und wussten sicherlich überhaupt nicht was da vor sich ging. Trotzdem reagierten sie auf das was die Betreuerinnen ihnen vorsangen! Am Ende sangen sie “…und alle Kinder drehen sich!” und die meisten Kinder drehten sich dann wirklich im Kreis! Das war wirklich nett!

Die Gruppe der 2-Jährigen trat ebenfalls mit ihren Betreuerinnen auf. Sie stellten einen Besuch in einem Zoo dar, zu dem sie per Zug (die allbekannte Polonäse) fuhren. Die Kinder haben super mitgemacht und alle haben wirklich geschauspielert! “Oh, seht dort, die Giraffe frisst die Blätter von den Bäumen!” und alle Kinder schauten in die Richtung, schauten hoch und riefen “Oh, wirklich!”. Begleitmusik kam von einem Klavier. In Japan müssen übrigens alle Erzieherinnen (die sich wirklich als solche offiziell nennen dürfen) ein Instrument spielen können, bei dem sie gleichzeitig etwas vorsingen können, sprich Gitarre, Klavier etc.

Die Gruppe 3-Jährigen trat schon ohne Betreuerinnen auf. Die Betreuerinnen saßen mit im Publikum und gaben ab und an einige Anweisungen. Diese Gruppe performte eine Art Musik-Schauspiel, d.h. zu Beginn war es eine Geschichte im Wald und anschließend haben alle zusammen gesungen und mit ihren Pappinstrumenten “musiziert”. Das eine Kind war richtig cool auf seiner Luftgitarre!

Die Gruppe der 4 bis 5-Jährigen führten gleich 2 Theater-Stücke auf (Betreuerinnen wieder im Publikum)! Das erste spielte wieder im Wald. Es war ein Versteckspiel, bei dem die Kinder Eichhörnchen, Bären, Uhus und Hasen darstellten. Es ist ebenfalls extrem gut abgelaufen. Ohne irgendwelche Zwischenfälle, wenn ich das richtig gesehen habe!

Das 2. Theaterstück war “Die Bremer Stadtmusikanten”! Diesmal sogar richtig mit 2 Erzählerinnen, natürlich ebenfalls Kinder der Gruppe. Ich war wirklich Baff, als ich sah, dass die Beiden Notizen in den Händen hielten! Sie haben wirklich mit ihren 4  bzw. 5 Jahren vor einem Publikum vorgelesen, und das gar nicht so schlecht! Das Theaterstück lief verhältnismäßig lang und die meisten Kinder kannten ihren Text komplett auswendig! Diesbezüglich war ich ein zweites Mal Baff.

Es erinnerte mich an das Schulfest, als ich in der 2. Klasse war. Damals trat unsere Klasse auch vor Publikum (Lehrer, Eltern, Freunde und Verwandte der Schüler) auf. Wir mussten alle einen Teil eines Gedichtes vorsagen. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern. Es war eine absolute Katastrophe. Ich konnte glücklicherweise meine Strophe ganz gut, sodass ich vor Nervosität nur ein bisschen rot wurde. Doch die Proben der Wochen davor waren schlimm. Einige haben sich so sehr geweigert, dass sie am Ende nicht aufgetreten sind. Auch wenn das Schulfest (glaube ich) ganz nett war fand ich unseren Auftritt furchtbar, eben weil nur 80% der Klasse auf der Bühne stand.

Der Vormittag war fabelhaft! Ich war wirklich gerührt. Ich denke allen waren es.

Ich arbeite übrigens immer noch an den Straßenkarten, die ich vor einigen Einträgen erwähnt hatte. Es gibt immer wieder etwas zu verbessern und hinzuzufügen. Inzwischen hat der Ordner über 10 A3-Seiten! Alles für die Sicherheit und den Katastrophenschutz. Bspw. habe ich in der letzten Zeit alle öffentlich nutzbaren Telefone auf den Karten markiert. Falls es nämlich richtig heftig bebt und Gebäude in sich zusammenfallen, sind anschließend natürlich das Handynetz völlig überlastet. Öffentliche Telefone jedoch können auch bei Netzüberlastung benutzt werden, solange diese nicht beschädigt sind.

Zum Ende, 2 Fotos. Der Eingangsbereich der Tagesstätte und der Eingang von innen.
Eingangsbereich

Eingangsbereich von Außen

Bis zum nächsten Eintrag.

Glück im Unglück

Information Januar 12th, 2010

Heute morgen klingelte plötzlich mein Handy. Es war mein Kumpel Rin. Normalerweise schreiben wir uns immer E-Mails, aber diesmal ist es wirklich ein Anruf. Folgendes Gespräch:

Ich (noch im Halbschlaf): “Ja? Guten Morgen, Rin.”

Rin (plötzlich): “Wo bist du gerade?”

Ich (verwundert): “Noch Zuhause, bin gerade erst aufgestanden. Ich fahre gleich zur Arbeit.”

Rin: “Zuhause? Meguro?”

Ich: “Nein, nein… Ich bin vor etwa 1 Woche nach Takaban umgezogen. Hatte ich dir noch gar nicht gesagt…”

Rin: “Das Haus in dem du vorher gewohnt hattest ist angeblich bis auf’s Letzte niedergebrannt.”

Ich hielt es natürlich zunächst für einen schlechten Scherz und ging zur Arbeit. Nach der Arbeit bin aber doch zu meiner ehemaligen Bleibe gefahren, schließlich habe ich ja noch einiges an Gepäck dort liegen.

Alles verbrannt

Was ich dort vor mir sah, habe ich in der Form noch nie in meinem Leben gesehen. Ich konnte leider nur den Eingangsbereich (jap. “Genkan”) fotografieren, da es sehr dunkel war und ich auch kein Licht bei mir hatte.

Innen roch es fürchterlich und man konnte kaum etwas erkennen, da es wie gesagt sehr dunkel war, doch eines ist sicher: Es ist nichts verschont geblieben. Alle Hochbetten des share houses (über 10) scheinen komplett niedergebrannt zu sein. Als ich wieder rausging kam mir eine ehemalige Mitbewohnerin entgegen. Durch ihr erfuhr ich, dass es gleich eine kleine Gesprächsrunde mit allen ehemaligen Mitbewohnern gäbe. Dazu trafen wir uns alle in einer Karaokebox in der Nähe des Bahnhofs Meguro. Natürlich nicht zum Singen. Die Karaokekabinen, sind sehr gut isoliert, sodass es sich perfekt für eine intensive Gesprächsrunde eignet. TV und Karaokemaschine natürlich aus. Wir haben uns über Versicherungen und den weiteren Ablauf unterhalten. Alle anderen Mitbewohner wurden anscheinend in den verschiedenen share houses verteilt. Einige haben alles verloren. Konnten nur das retten was sie bei sich hatten. Das sind zum großen Teil die, die zu dem Zeitpunkt nicht im Hause waren, also Arbeiten oder sonst wo.

Ich habe zwar viele wichtige Dinge wie Dokumente, Briefe, Festplatten, Geld etc. bereits in die neue Wohnung gebracht, doch ganz verschont bin ich auch nicht geblieben: Klamotten, Koffer + Inhalt, Musik-Geräte (Mischpult, Verstärker usw.), Mitbringsel aus Deutschland, Bücher, CD + DVD’s… Alles verloren.

Aber das sind zum großen Teil Dinge, die man mit Geld wieder bekommen kann.
Der Mitbewohner (Musiker) gegenüber meines Bettes hat seine heiß geliebte Gitarre verloren… Der Designstudent schräg über mir hat seinen MacBook Pro mit allen Daten (Photoshop-Dateien) verloren… Der Dartspezi am anderen Ende des Raumes hat sein limitiertes Dart-Set verloren…

In den nächsten Tagen gibt es einiges zu tun. Vor allem wird das mit der Versicherung ein ganzes Stück Nerven kosten.

Aber das wichtigste ist doch, dass alle heil entkommen sind. Meine Arbeit in der Kindertagesstätte wird wie gewohnt weiter gehen. Ich verspreche, dass ich bald wieder etwas zu meinen dortigen Arbeiten schreibe.