Glück im Unglück

Information Januar 12th, 2010

Heute morgen klingelte plötzlich mein Handy. Es war mein Kumpel Rin. Normalerweise schreiben wir uns immer E-Mails, aber diesmal ist es wirklich ein Anruf. Folgendes Gespräch:

Ich (noch im Halbschlaf): “Ja? Guten Morgen, Rin.”

Rin (plötzlich): “Wo bist du gerade?”

Ich (verwundert): “Noch Zuhause, bin gerade erst aufgestanden. Ich fahre gleich zur Arbeit.”

Rin: “Zuhause? Meguro?”

Ich: “Nein, nein… Ich bin vor etwa 1 Woche nach Takaban umgezogen. Hatte ich dir noch gar nicht gesagt…”

Rin: “Das Haus in dem du vorher gewohnt hattest ist angeblich bis auf’s Letzte niedergebrannt.”

Ich hielt es natürlich zunächst für einen schlechten Scherz und ging zur Arbeit. Nach der Arbeit bin aber doch zu meiner ehemaligen Bleibe gefahren, schließlich habe ich ja noch einiges an Gepäck dort liegen.

Alles verbrannt

Was ich dort vor mir sah, habe ich in der Form noch nie in meinem Leben gesehen. Ich konnte leider nur den Eingangsbereich (jap. “Genkan”) fotografieren, da es sehr dunkel war und ich auch kein Licht bei mir hatte.

Innen roch es fürchterlich und man konnte kaum etwas erkennen, da es wie gesagt sehr dunkel war, doch eines ist sicher: Es ist nichts verschont geblieben. Alle Hochbetten des share houses (über 10) scheinen komplett niedergebrannt zu sein. Als ich wieder rausging kam mir eine ehemalige Mitbewohnerin entgegen. Durch ihr erfuhr ich, dass es gleich eine kleine Gesprächsrunde mit allen ehemaligen Mitbewohnern gäbe. Dazu trafen wir uns alle in einer Karaokebox in der Nähe des Bahnhofs Meguro. Natürlich nicht zum Singen. Die Karaokekabinen, sind sehr gut isoliert, sodass es sich perfekt für eine intensive Gesprächsrunde eignet. TV und Karaokemaschine natürlich aus. Wir haben uns über Versicherungen und den weiteren Ablauf unterhalten. Alle anderen Mitbewohner wurden anscheinend in den verschiedenen share houses verteilt. Einige haben alles verloren. Konnten nur das retten was sie bei sich hatten. Das sind zum großen Teil die, die zu dem Zeitpunkt nicht im Hause waren, also Arbeiten oder sonst wo.

Ich habe zwar viele wichtige Dinge wie Dokumente, Briefe, Festplatten, Geld etc. bereits in die neue Wohnung gebracht, doch ganz verschont bin ich auch nicht geblieben: Klamotten, Koffer + Inhalt, Musik-Geräte (Mischpult, Verstärker usw.), Mitbringsel aus Deutschland, Bücher, CD + DVD’s… Alles verloren.

Aber das sind zum großen Teil Dinge, die man mit Geld wieder bekommen kann.
Der Mitbewohner (Musiker) gegenüber meines Bettes hat seine heiß geliebte Gitarre verloren… Der Designstudent schräg über mir hat seinen MacBook Pro mit allen Daten (Photoshop-Dateien) verloren… Der Dartspezi am anderen Ende des Raumes hat sein limitiertes Dart-Set verloren…

In den nächsten Tagen gibt es einiges zu tun. Vor allem wird das mit der Versicherung ein ganzes Stück Nerven kosten.

Aber das wichtigste ist doch, dass alle heil entkommen sind. Meine Arbeit in der Kindertagesstätte wird wie gewohnt weiter gehen. Ich verspreche, dass ich bald wieder etwas zu meinen dortigen Arbeiten schreibe.

Umzug, Stadtkarte und Weihnachten

Bericht, Information Dezember 29th, 2009

Liebe Leser,

seit meinem letzten Eintrag sind wieder einige Wochen vergangen. Ich hatte einiges zu Unterkuenften in Japan geschrieben. Dies setzt sich nun in gewisser Weise fort: Ich ziehe schon wieder um. Es wird erstmal jedoch mein letzter Umzug sein. Ich bin innerhalb 3 Monaten (plus einigen Tagen) 3 mal umgezogen. Aber da ich ja nicht so viel Zeug bei mir habe ist das auch nicht so ein riesen Problem. Diesmal geht es wieder ein Stueck an die Kindertagesstaette ran. Meine erste Bleibe (Kamata) war so weit entfernt, dass ich mit dem Zug zur Tagesstaette musste. Meine 2. Bleibe (in der ich jetzt noch fuer 3, 4 Tage bin) ist nicht mehr ganz so weit entfernt (Meguro). Zu erst bin ich auch noch mit dem Zug gefahren, aber dann habe ich eine guenstigere Buslinie gefunden, bei der ich nicht einmal umsteigen muss. Letztendlich habe ich ein Fahrrad gestellt bekommen. Zu naechst hatte ich mich ziemlich verfahren, sodass ich ueber 1 Stunde 30 Minuten gebraucht habe. Als ich mich allmaellich zurecht gefunden hatte wurde daraus die Haelfte: 45 Minuten mit dem Rad. Das gin etwa 1 Monat lang so. Dann hat mich der Co-Leiter der Kindertagesstaette auf eine sehr hilfreiche Abkuerzung aufmerksam gemacht: Jetzt sind es nur noch knapp 20 bis 25 Minuten! Ich faehre mitten durch eine verlassene Wohngegend, aber der Weg ist einfach viel kurzer! In Zukunft werde ich jedoch nur noch geschaetzte 10-15 Minuten brauchen muessen!! Meine neue Bleibe ist preislich nicht grossartig anders, aber von innen sehr viel angenehmer und einfach naeher an meiner Arbeitsstelle (Takaban). Leider auch nicht mehr so zentral, aber wenn ich einige Minuten mit dem Rad fahre, dann komme ich auch an eine relativ zentrale Bahn-Station.

Da ein Umzug bevorsteht kann es sein, dass ich in den naechsten Tagen sofort auf E-Mails und Kommentare antworten kann. Ich bitte um Verstaendnis.

Eine “groessere Sache”, die ich in der letzten Zeit in der Kindertagesstaette zu erledigen hatte war das Erstellen einer Stadtkarte mit gewissen Notizen. Wenn die Kindergruppen mit Ihren Betreuern zu einem Spielplatz gehen, die Feuerwehr besuchen, zu einem Park gehen, etc. dann gibt es zahlreiche “Gefahrenpunkte”: Viel Verkehr, kurze Ampelphase, aggressiver Menschenstrom usw. Bisher wurde solche Punkte immer auf einer Stadtkarte per Hand vermerkt. Meine Aufgabe war es nun diese Handnotizen am PC zu digitalisieren. Welches Programm man in einem solchen Fall benutzt? Kein Ahnung. Ich habe mich irgendwie mit Excel herausgeholfen, d.h. der Co-Leiter, der sehr viel mit Excel arbeite hat mir viele nuetzliche Tricks gezeigt. Ich haette nie im Leben gedacht, dass man mit Excel so viele umfangreiche Dinge anstellen kann, zumal ich bisher eher weniger mit dem Programm zu tun hatte. Das Ergebnis war ziemlich zufriedenstellend. Ich habe etwa 2-3 Wochen fast taeglich an diesen Maps fuer 1-2 Stunden gearbeitet. Es gab insgesamt 8 kleine Routen und 2 Grosse zu digitalisieren. Um Ende ein schlichtes Deckblatt und fertig war das Kunstwerk. War schon eine Menge arbeit. Die Exceldatei hatte etwa 20 MB.
Das Erstellen an sich hat etwa 2/3 der Zeit gekostet. Das Uebrige 1/3 Zeit, ging beim Drucken drauf: Die Karten werden auf welchen Grund auch immer nicht so ausgedruckt, wie sie auf dem Bildschirm angezeigt werden. Bspw. fehlen die letzten Buchstaben bei einigen Notizen. Das Problem liess sich nach Stundenlangem vergroessern, herumschieben und ausprobieren halbwegs loesen.

Ach, es war ja schon Weihnachten! Habe ich hierzulande kaum mitbekommen. Natuerlich wurde kraeftig gefeiert und geschmueckt, ohne das einer weiss warum. Japan kennen “Kurisumasu” als Geschenkeverteiltag, nicht als christlichen Feiertag. Kinder sagen: “Weihnachten wird gefeiert, weil man da Geschenke bekommt!”, waehrend junge Erwachsene es als Partyanlass kennen. Meistens kauft der Mann seiner Freundin ein teueres Geschenk, anschliessend macht man sich einen schoenen Abend zusammen. Erinnert mich stark an den Valentinstag, der hier auch so aehnlich ablaeuft, nur nicht ganz so winterlich.
Meine Mutter hatte die grossartige Idee den Kindern im Kindergarten auch die traditionelle Seite des Weihnachtsfest zu zeigen. Sie kaufte eine Playmobil-Krippe und packte die Einzelteile als Adventskalender ein. Anschliessend schickte sie alles zusammen als Paket nach Japan. Am 24.12. war dann die Krippe vollstaendig und ich erzaehlte den Kindern die Weihnachtsgeschichte nach traditioneller Art. Da die Kindertagesstaette keine religioes orientierte ist musste ich etwas vorsichtig sein. Es war auch schwierig zu erklaeren, dass in der Geschichte das Kind Gottes Sohn sei. Um ehrlich zu sein kannte ich die Geschichte selber auch nicht bis ins Detail. Ich bin Atheist und war somit immer im “Werte und Normen-Kurs”.
Die Kinder sahen es auf alle Faelle als interessante Geschichte aus dem fernen Westen. Die Kinder haben alle sehr gespannt zugehoert. Kaum jemand hat dazwischen gerufen. Am Ende haben sich alle Kinder bedankt. Vor der Playmobilkrippe haben alle Kinder so respekt, dass sie sie kaum anfassen. Wenn eine Figur umfaellt dann springt sofort ein Kind auf und stellt sie wieder hin. Ich dachte, dass die Kinder damit spielen und es wie alle anderen Spielzeuge behandeln. Nun steht die Spielzeug-Krippe geordnet auf dem Regal und die Kinder stehen zu Zehnt drumrum und schauen sich die Plastikfiguren in Ruhe an.

Waehrend der Weihnachtstage wird uebrigens ganz gewoehnlich gearbeitet. Sollte einen eigentl. nicht wundern. Kurz, Weihnachten in Japan: Fuer Kinder und Paare ein Fest zum grundlos Spass haben, fuer Wirtschaftshaie ein leckerer Bonus, fuer ruhige japanische Seelen ein Tag wie jeder anderer.

Zum Ende: Ich habe gestern wieder einmal Blumen eingepflanzt. Diese Blumen tragen zufaellig meinen Namen: Die Sorte heisst angeblich “Julian”.

Ich wuensche allen einen guten Rutsch ins neue Jahr!!!

PC kaputt

Information November 4th, 2009

Liebe Leser,

leider ist unser GeimschaftsPC seit ueber einer Woche kaputt. Er startet nicht mal mehr. Warscheinlich ein Wurm.

Deswegen konnte ich in der letzten Zeit diesen Blog nicht updaten… und werde es immer noch nicht machen koennen. Ich schreibe gerade vom Buero der Kindertagesstaette aus, waerend meiner Pausenzeit.

Es gibt vieles zu berichten und wenn der Rechner nicht kaputt waere haette ich schon mindestens 3 weitere Artikel geschrieben.

Ich bitte um euer Verstaendnis. Ich hoffe, das unser Share-House schnellstmoelgich einen neuen Rechner, bzw. einen funktionierenden Rechner bekommt!

Ganz knapp zusammengefasst was ich in der letzten Zeit gemacht habe: Das Kidertagesstaetten-Informationsblatt ins Deutsche uebersetzt (als naechstes ins Englische), Blumengepflanzt, eine kartoffelaehnliche Pflanze geerntet, geputzt, geholfen und vieles mehr.

Das naechste Mal werde ich ueber etwas berichten, das ich schon seit langem los werden moechte: Eine speziell japanische Erziehungsmethode! Ich nenne Sie “Mit — reden”. Ihr koennt ja gerne raten mit wem oder was die japanischen Kinder reden. Ich finde es ziemlich lustig, aber gleichzeitig interessant. Sehr “japanisch”.

Bis zum naechsten Eintrag, hoffentlich in wenigen Tagen…